Yvonne Brückner | unterwegs

Mein Herz,

aus der Tiefe bringst du die Härte und Gewichte von Mineralien und Erzen mit.

Ganz leicht bist du und an manchen Stellen auch weich.

Lass uns zusammen losgehen.

all rights by Yvonne Brückner

18.10.21

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

"Liebes gläserne Herz,

schön, dass Du da bist und ein herzliches Willkommen!

Hab´ Dir ein gut durchgewaschenes Baumwollhandtuch und Glasreiniger ins Bad gelegt und solltest Du Silikon oder sowas brauchen, dann melde Dich einfach.

Freue mich schon sehr auf gemeinsame Erkundungen mit Dir.

Liebe Grüße und bis später,

Yvonne"

30.10.21

31.10.21

22.11.21

26.11.21

Ich mag Rucksäcke und große Taschen. Das sind für mich Gefäße um Dinge von A nach B zu transportieren. Ich reise mit Bahnen und Zügen. Es muss immer viel mit. Werkzeuge, Geräte, Ausrüstungen. Die Begrenzung des Gepäcks liegt bei meiner Person: Ich kann nur so viel mitnehmen, wie ich logistisch in den verschiedenen Gefäßen unterbringe UND diese Gefäße noch tragen und bewegen kann.

Das Herz kam als neue Größe in meine Packlogistik. So zart und klein es auch ist, so handelt es sich dabei um ein Herz-Volumen. Ein Herzvolumen lässt sich nicht so einfach in irgendwas hineinpacken. Darum habe ich ein eigenes Reisegefäß für das Herz gebaut. Mit Schnallen, Gurten und Karabinerhaken, denn zum Reisen sollte es sicher und flexibel sein, dieses Herzgefäß.

18.12.20

Von München nach Halle und Leipzig, auf dem Weg zu Herzensorten und Herzensmenschen.
Diese Strecke bin ich bereits unzählige Male gefahren. Noch immer immer breitet sich Vorfreude und Aufregung aus, wenn ich die Nasen und Lichter der ICEs sehe und deren Klang beim Einfahren höre. Es ist ein liebevolles Wiedersehen der großen Maschine.
Das Herz ist ein idealer Reisebegleiter. Es reflektiert, spiegelt, mahnt zur Achtsamkeit und hat durch die Erweiterung des Herzgefäßes die notwendige Flexibilität fürs Reisen mit Zügen erhalten.

Seit etwa drei Jahren bleibe ich manchmal im Zug sitzen und fahre durch Halle hindurch oder daran vorbei. Denn mein Bewegungsradius hat sich bis nach Lüneburg erweitert.

Das Herz hat dort ein anderes Herz getroffen. Und ein Pferd. (Foto Simone Fezer)

Es war zum ersten Mal im Theater in Hamburg, reflektierte woanders hin und nahm auch sieben Stunden Zugfahrt mit Neugier und Gelassenheit.

 

Schienen zeichnen Linien auf das Land. Ebenso Flüsse. Seen malen Flächen. Ich bin gerne im Wasser. Und unter Wasser. Das Herz wird draußen tauchen, denn die Badewanne war zu klein. Als Reiseherz wird es fließende und anders bewegte Gewässer erkunden die mir etwas bedeuten und Orte der Wiederkehr darstellen.

Ich nenne diese Reihe „Herzensgewässer“.

14.02.22

Herzensgewässer #1: Die Saale in Halle.

Viel Wasser, viel Wind, viel kalt, viel Sonne, viel trüb, viel Schnur, viel ungeeignete Schuhe, viel Festklammern. Das Herz und ich müssen noch üben. Ich denke, es hat etwas mit Vertrauen zu tun. Etwa zwei Kilometer flussaufwärts habe ich schon mal geübt. Das war während des Studiums. Auch das hatte mit Vertrauen zu tun.

26.03.22

Herzensgewässer #2: Die Flanitz in Frauenau.

Sie taucht auf, fließt durch den Ort, taucht unter, taucht woanders wieder auf.

Diesen Teil der Flanitz habe ich oft gehört, nachts im Zelt, ganz nah am Bild-Werk Frauenau. Ein Wiederkehr- und Entscheidungstreffer-Ort. An der Grenze von Erde und Wasser hatte es sich verhakt, war aber nicht schlimm, denn ich hatte Gummistiefel an.

Die Flanitz nahe der Gleise.
Hier sieht sie nach einer plätschernden Größe aus, doch zeigt sich bei Kontakt eine reißende Dimension. Das kleine Herz - erstaunlich widerständig.
Von außen sind Ereignisse, die im Inneren des Herzens stattfinden nicht sichtbar.
Im Hintergrund ist die Kristallglasfabrik Spiegelau zu sehen, zu hören und zu riechen ist sie nicht mehr.

In den „Gläsernen Gärten“.
Entlang der „Lebensadern“ von Simone Fezer taucht es ganz in der Nähe in einen weiteren Strom. Pulsaderaugen erkunden den Flanitzboden. Und es gräbt.

06.04.2022

Herzensgewässer #3: Der Fohnsee bei Iffeldorf.

Obwohl ich nun schon viele Jahre an Flüssen lebe, fühle ich mich an Seen noch immer etwas zuhausiger.

 

...sehr frühe Erinnerungsfetzen an die große Gassirunde. Immer aufgehoben in der Familie.
Später, als das Konzept von Urlaub etwas klarer wurde, reimte ich mir den Fohnsee -mit seinen weit über das Wasser hängenden Ästen- zu meiner Südsee. Sogar die deutlich wärmere Temperatur, im Vergleich zum großen Starnberger See, fügte sich nahtlos in die Strophen ein.
Unter Wasser holt das Herz Erinnerungen an die Oberfläche. Glitzerstaub und in Wellen gebündeltes Licht… ich glaube meine erste Taucherbrille war gelb.

Auch dieses Mal war die Familie dabei.

Dackel Betzy steht schon lange nur noch in der Erinnerung am Ufer.

Ob das Herz im See wohl noch eine Leine braucht? Ich muss überlegen...

 

 

Leihgabe Watthose: Tobby Ritzkowski

21.04.2022

Herzensgewässer #4: Die Isar in München.

Zum 2. Male wohne ich nun an der Isar. Sie ist überall immer anders zu erleben. Hier hatten wir einen Moment, die Isar, das Herz und ich. Da sind wir zusammen gelaufen.

 

Kamera am Ufer: Martina Kändler

Leihgabe Watthose: Tobby Ritzkowski

Herzensgewässer #5: Der Starnberger See in Possenhofen.

Er ist für mich der See. Der Geruch, das Wissen um die Tiefe, die Kühle, die Farben, der Blick nach Süden. Manchmal sind die Alpen zu sehen, manchmal nicht. Liegt am Föhn.

 

30.04.22

Herzensgewässer #6: Der Eisbach in München, Englischer Garten.

Als ich die zu watende Strecke zwischen den Brücken begutachtete, bemaß ihn das Auge als durchgehend knietief. Eine Verschiebung der erwarteten Realität erfolgte, als der Boden des augenscheinlich knietiefen Wassers nachgab und ich einsank. Erst mit dem linken Fuß, dann mit dem rechten Fuß. Das Herz trieb derweil weiter oben auf.


Kamera am Ufer: Angelika Iwen

Herzensgewässer #7: Der Starnberger See.
Manchmal müssen Dinge auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Schwimmen wollte ich mit dem Herzen. Sogar der Neoprenanzug war schon organisiert. Doch als ich den Anzug anhatte, fing mein Herz an zu rasen. Ich glaube, es war ihm zu eng. Da müssen wir noch ein bisschen üben mein Herz und ich. In der Zwischenzeit stelle ich es mir vor, das Schwimmen mit dem Herz. Und das ist auch schön.