Cristina Czetto | HAMLET (ver) handelt mit HERZ

Das Herz aus Glas, hart und zerbrechlich. Klar, unverbraucht, geheimnisvoll. Ich habe mein Herz in deines hineingeschlossen.

Mein Herz hängt im Theater, der Ort wo Utopien wahr sein können.  Ich frage mich … wie kann ich Theater heute anders denken. Wie kann ich Hamlet anders erzählen; mit welchen Mitteln? In welcher Form? 

The hart of glass, tough and fragile. Clear, unspent, mysterious. „I have locked in my heart in yours“

My heart hangs on the theater, the place where utopia can be true. I ask myself…. how can I think theater in a different way, nowadays. How can I tell Hamlet differently; with which medium? In which form?

 

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Ein Mensch der sich seiner eigenen Existenz nicht mehr sicher fühlt. Wie viel Handlungsfreiheit und Möglichkeiten hat man angesichts einer tiefen existentiellen Erschütterung?

Ich konfrontiere das Herz mit den äusseren Zuständen / Umständen.

Welche Assoziationen werden in mir wach um Hamlet zu erzählen?

Das Herz wird exponiert… gestellt, gelegt, gehängt. 

Zeit. Veränderung. Verschleiß. 

wahrnehmen, fühlen, denken, handeln.

A person who doesn’t feel save anymore in their existence. How much freedom of action and options does one have in the face of a deep existential convulsion?

I confront the heart with the outer circumstances and conditions.

What kind of associations of ideas awake in me for retelling Hamlet?

The heart is going to be exposed… standing, hanging, lying. 

Time, change, wear.

perceive, feel, think, act.

30th of November 2020

10th of December 2020

HAMLET, handlungsunfähig, hütet halsstarrig hellhöriges HERZ

HAMLET, unable to act, guards the HEART, stubborn and clairaudient.

 

HAMLET: Ich muss raus. Ein Fieber, ein Koller bahnt sich an, baut sich auf wie ein Tornado. Donnerstag ist leider nicht der ideale Tag um unter die Menschen zu kommen. Meine Muskulatur im Brustraum ist bereits zusammengeschmolzen, mit den Knochen. Atemnot schleicht sich dem Höhepunkt entgegen. 

I have to get out. A fever, a rage is looming, building up like a tornado. Thursday is unfortunately not a day to go out among the people. Breathlessness creeps towards the climax.'

 

22nd of January 2021

Stimmen, Blicke, Gedankensplitter, Assoziationen.

Das Herz aus Glas als Vademekum auf Hamlets Spuren.

Voices, viewpoints, thought shards, associations.

The heart of glass as vade mecum on Hamlets tracks.

HAMLET: Vor den Bildern kommen die Gedanken. Derweil sehe ich schwarz. Eine schwarze Wand auf der Innenseite meiner Augen. Der Kopf leert sich langsam und wenn man Glück hat, schnell. Meistens kommt dann ein Bild in dieses Schwarz. Auf einmal ist es da. Aufgetaucht aus einem anderen Schwarz nicht aus dem Nichts.

Before the pictures comme the thoughts. Meanwhile I see black. A black wall on the inside of my eyes. The head empties slowly and when you're lucky, fast. Mostly a picture gets into this black. Suddenly it's there. Popped up out of another black not out of nothingness.

HAMLET...

Wie langweilig, müd, seicht und unergiebig

Scheint mir all das Getu der Welt.- Pfui drüber!

Pfui! -'s ist ein Garten, übermannt vom Unkraut,

Der schießt in Samen; geiler, ungeschlachter

Misswuchs besitzt ihn. So weit kam's! ...

Hamlet ...

How weary, stale, flat, and unprofitable

Seem to me all the uses of this world.

Fie on't! O fie!, tis an unweeded garden,

That grows to seed; things rank and gross in nature

Possess it merely. That it should come to this! ...

Schwachheit, dein Name ist Weib!

Ein kleiner Monat! - Eh die Schuh alt waren,

Drin sie des armen Vaters Leiche nachging,

Wie Niobe, ganz Tränen; - sie! auch sie -

Oh Gott! Ein Tier ohne Verstand hätt länger

Getrauert, - nun getraut mit meinem Onkel...

 

Eh noch das Salz höchst unehrlicher Tränen

Verflossen war aus ihren wunden Augen,

War sie getraut. Verruchte Hast, so schnurstracks

In ein blutschänderisches Bett zu springen!

Es ist nichts und es wird auch draus nichts Gutes...

 

Hamlet - Shakespeare - Ü. Erich Fried - 1. Akt / Sz. 2

Frailty, thy name is woman!

A little month; or ere those shoes were old

With which she follow'd my poor father's body,

Like Niobe, all tears; why she, even she,-

Oh God! A beast, that wants discourse of reason,

Would have mourn'd longer, - married with my uncle...

 

Ere yet the salt of most unrighteous tears

Had left the flushing in her galled eyes,

She married. O! Most wicked speed, to post

With such dexterity to incestuous sheets.

It is not nor it cannot come to good...

 

Hamlet - Shakespeare Act I / Sc.II

KÖNIGIN G…

Auf der anderen Seite des Fensters fiel das Wasser vom Himmel wie durchsichtiger Schnee. Gerade und streng, fragend, misstrauisch. Sonntagswetter.

KÖNIG C…

Die Luft ist rein und schwer. Das passt nicht. Entweder oder. Warum immer entweder… oder? Entweder… und, wäre mal eine Maßnahme.

KÖNIGIN G…

Tango. Da wird man geführt. Sich treiben lassen auf den vorgeschlagenen Pfaden, seine eigenen Muster kreativ einflechten. Mein Körper lässt sich treiben. Lässt er das wirklich oder tut er nur so?  

KÖNIG C…

Mein Hals wird von einem Kitzel durchzogen. Eine Spinne, eine winzige, huscht über meine Haut, hinterlässt eine Spur von haarigen Beinen. Eine haarige Spur. Ähnlich einem Schleier über dem Bett.

KÖNIGIN G…

Kalbsmedaillon in Sahnesoße mit Trüffeln wie ich sie noch nie gegessen habe. Leben wie eine Königin in Frankreich. Wo bleibt die allesfressende Möwe? Eine Champagner-Flasche schaut mich an. Der Korken direkt auf meine Stirn gerichtet; wie eine Maschinenpistole.

KÖNIG C…

Das Geheimnis kann bleiben. Wird dadurch größer; konfuser die Wirklichkeit… aber was ist die Wirklichkeit?

Queen G. …

On the other side of the window the water dropped down from the sky like transparent snow. Straight and strict, questioning, suspicious. Sunday weather.

King C. …

The air is pure and heavy. That does not fit. Either… or. Why always either…or ? Either… and, would be a measure.

Queen G. …

Tango. There you are guided. Drifting along the suggested paths, weaving in your own patterns, creatively. My body lets itself drift. Does it really leave or does it just pretend?

King C. …

A tickle runs trough my throat …… A spider, a tiny one, scurries across my skin, leaves a trace of hairy legs. A hairy trace. Resembling a veil over the bed.

Queen G. …

Veal medallion in cream sauce with truffles like I’ve never eaten before. Living like a Queen in France. Where is the omnivorous seagull? A champagne bottle looks at me. The cork aimed straight at my forehead. Exactly as a machine-gun.

King C. …

The secret can stay. Becoming even larger as a result; reality more confused. But what is reality?

 

April 4th 2021

GEIST.

Ich bin deines Vaters Geist,

Verdammt auf eine Zeit, nachts umzugehen

Und tags gebannt zu fasten in den Flammen,

Bis Feuer die Verbrechen meiner Zeit

Auf Erden fortfegt… Hamlet hör!

 

Man sagt, dass, als ich schlief in meinem Garten,

Mich eine Schlange biss; so wird das Ohr

Ganz Dänemarks mißbraucht durch eine Lüge,

Wie ich den Tod fand. -  Aber hör, mein Junge:

Die Schlange, die das Leben deines Vaters

Gebissen hat, die trägt jetzt seine Krone!

 

Mord, scheußlich, wie im besten Fall; doch dieser

Ist scheußlich, unerhört und unnatürlich.

GHOST.

I am thy father’s spirit;

Doom’d for a certain term to walk the night,

And for the day confin’d to fast in fires,

Till the fool crimes done in my days of nature

Are burnt and purg’d away. Now Hamlet hear:

 

Tis given out that, sleeping in mine orchard,

A serpent stung me; so the whole ear of Denmark

Is by a forged process of my death

Rankly abus’d; but know, thou noble youth,

The serpent that did sting thy father’s life

Now wears his crown.

 

Murder most foul, as in the best it is;

But this most foul, strange, and unnatural.

HAMLET.

So sags mir gleich, dass ich, auf Schwingen schnell

Wie der Gedanke und der Wunsch der Liebe,

Zur Rache niederstoß!

 

GEIST.

Laß kurz mich sein: Ich schlief in meinem Garten,

Wie ich’s gewohnt war jeden Nachmittag,

Da schlich in meine Sicherheit dein Onkel

Mit Saft verfluchten Schierlingskrauts im Fläschchen

Und tropfte in die Pforten meiner Ohren

Tödlichen Absud, dessen Wirkung so

Verfeindet mit dem Blut des Menschen ist…

 

So wurde ich im Schlaf durch Bruders Hand

Geprellt um Leben, Krone, Königin…

 

Hast Du Natur in dir, so duld es nicht;

Laß Dänmarks Königsbett kein Lager sein

Für Blutschande und für verdammte Wollust.

Wie immer aber du dies Tun betreibst,

Beflecke nicht dein Herz mit einem Anschlag

Auf deine Mutter! Laß du sie dem Himmel

Und jenen Dornen, die in ihrer Brust

Sie stechend brennen. Aber nun leb wohl!

 

Hamlet, Shakespeare I/5 - Ü. Erich Fried

HAMLET.

Haste me to, know’t, that I, with wings as swift

As meditation or the thoughts of love,

May sweep to my revenge.

 

GHOST.

Brief let me be. Sleeping within mine orchard,

My custom always in the afternoon,

Upon my secure hour thy uncle stole,

With juice of cursed hebona in a vial,

And in the porches of mine ears did pour

The leperous distilment; whose effect

Holds such an enmity with blood of man.

 

Thus was I, sleeping, by a brother’s hand,

Of life, of crown, of queen, at once dispatch’d.

 

If thou hast nature in thee, bear it not;

Let not the royal bed of Denmark be

A couch for luxury and damned incest.

But, howsoever thou pursu’st this act,

Taint not thy mind, nor let thy soul contrive

Against thy mother aught; leave her to heaven,

And to those thorns that in her bosom lodge,

To prick and sting her. Fare thee well at once!

 

Hamlet, Shakespeare Act I. / Scene V.

 

 

HAMLET.

Das ist so wie wenn alle Buchstaben sich hinter der Stirn tummeln würden aber das Sprachzentrum macht nicht mit.

Die Sprache lässt dich allein mit all diesen Wörtern im Körper. Sie kommen nicht mal bis zum Hals. Sie bleiben irgendwo gefangen und während sie um den Ausgang kämpfen sind die nächsten schon da und alles dreht sich.

It’s like if all the letters were romping behind the forehead but the language center doesn’t participate.

Language leaves you alone in your body with all these words.They even don’t reach the throat.They stay trapped somewhere and while they fight for the exit, the next ones are already there and everything is turning around.

 

 

 April 26th 2021 

 

O f e l i a .

Ich mag feuchte Kuchen in denen die Zähne schwimmen können. Sich im Kuchenfleisch festbeißen. Kuchenschlamm. Der Mund birst vor Süße.

Jetzt quellen die Kanten aus meinem Mund. Suchen sich einen Weg durch die Lippen, tropfen auf mein frisch gebügeltes weißes Leinenhemd aus dem Rote Kreuz Laden. 1 Kilo 3 Euro.

Ich lasse, was übrig bleibt, auf der Zunge zergehen, ausruhen, abkühlen.

I like moist cakes in which my teeth can swim and bite. Into the meat-cake, cake-mud. The mouth bursts with sweetness.

Now the edges are oozing out of my mouth. Finding a way through the lips, drip onto my freshly ironed white linen shirt from the Red Cross Store. 1 Kilo 3 Euro.

I let, what is left, melt on my tongue, rest, cool down.

 

L a e r t e s .

Was Hamlet angeht und sein Liebeständeln,

Nimm es als Mode und als Spiel des Bluts!

Ein Veilchen nur im Frühling seiner Jugend,

Frühzeitig, nicht beständig; süß, nicht dauernd,

Den Duft, die Freude nur einer <minute,

Sonst nichts. …

 

Denk: Er ist groß. Sein Wille. Ist nicht sein,

Denn er ist untertan seiner Geburt:

Er darf nicht, wie das Männer ohne Rang tun,

Selbst wählen, denn es hängt an seiner Wahl

Die Sicherheit, das Wohl des ganzen Staates.

 

O f e l i a .

Ich will der guten Lehre Sinn mir halten

Als Wächter meines Herzens. Doch, mein Bruder,

Zeigt nicht, wie gnadenlose Prediger das tun,

Nur mir den steilen, dornigen Weg zum Himmel,

Indes als aufgeblasenen lockrer Wüstling

Ihr selbst den Blumenpfad der leichten Lust geht

Und Eurem eignen Rat nicht folgt!

 

Po l o n i u s .

Man sagt mir, er hat neuerdings sehr oft

Allein Euch seine Zeit geschenkt, und Ihr

Gewährtet ihm freigiebig freien Zutritt.

 

O f e l i a .

Er hat, Herr Vater, letzthin seine Neigung

Mir oft versichert.

 

P o l o n i u s .

… Dem Herrn Hamlet,

Dem glaubt nur so weit, daß er jung ist und

Die Zügel ihm lockrer gelassen werden,

Als man’s Euch zugestehn könnt. …

 

Shakespeare Hamlet 1.Akt / Szene III - Ü.: Erich Fried

L a e r t e s.

For Hamlet, and the trifling of his favour,

Hold it a fashion and a toy in blood,

A violet in the youth of primy nature,

Forward, not permanent, sweet, not lasting,

The perfume and suppliance of a minute;

No more. …

 

His greatness weigh’d, his will is not his own,

For he himself is subject to his birth;

He may not, as unvalu’d persons do,

Carve for himself for on his choice depends

The safety and the health of the hole state; ….

 

O f e l i a.

I shall th’ effect of this good lesson keep,

As watchman to my heart. But, good my brother,

Do not, as some ungracious pastors do,

Show me the steep and thorny way to heaven,

Whiles, like a puff’d and reckless libertine,

Himself the primrose path of dalliance treads,

And recks not his own rede.

 

P o l o n i u s .

‚Tis told me, he hath very oft of late

Given private time to you; and you yourself

Have. Of your audience been most free and bounteous.

 

O f e l i a .

He hath, my lord, of late made many tenders

Of his affection to me.

 

P o l o n i u s .

… For Lord Hamlet,

Believe so much in him, that he is young,

And with a larger tether may he walk

Than may be given to you …

 

Shakespeare Act 1 / Scene III

O f e l i a .

Wir wissen nur die Hälfte von dem was wir sagen. Oder noch weniger. Nur plappern können wir. Steuern zahlen müsste man dafür. Dann würden wir sparsamer werden.

Wie würde sich das auf  den Lauf der Dinge auswirken?

We only know half of what we say. Or even less. We can only babble. We would have to pay taxes for it. Then we would be more economical. How would that affect the run of things?

So viel MÜSSEN. Geht es auch ohne, wenn man verliebt ist? Der Kaffee ist plötzlich brüllend heiß. Gegen die Wand. Gegen die Stuhlwand. Ich sitze auf meinen Sitzknochen und fühle mich groß und breit und durchsichtig.

Kein schlechtes Gefühl.

So much HAVE TO. Is it possible without it when you are in loved? The coffee is suddenly roaring hot. Against the wall. Against the chair-rail. I’m sitting on my sit bones and feel tall and wide and transparent. Not a bad feeling.

 

May 14th 2021

 

H a m l e t.

Wie bricht man zusammen? Fällt ein wie ein gesprengtes Gebäude oder in zwei gleichmäßige Teile auseinander? Oder bricht man oben, an der Taille, ab? Ist der Schnitt akkurat oder gezackt?

Kann man sich die Art und Weise wie ich zusammenbrechen will, aussuchen?

Damit ich in die Landschaft passe, zum Beispiel. Ästhetik ist mir wichtig. Könnte mich auch nicht mit einer Plastiktüte auf dem Kopf in den Tod schlafen…  dieser Anblick!! Erfrieren soll eine gute Methode sein. Man schläft (sich) in die Wärme.

H a m l e t.

How do you break down? You collapse like a blown building or fracture in two equal pieces? Or crack at the top of the waist? Is the cut accurate or jagged? Can you choose the way I want to break down?

So that I fit into the landscape, for example. Aesthetics are important to me. Nor could I sleep myself to death with a a plastic bag on my head… because this sight!!   Freezing to death is supposed to be a good method. You sleep yourself into the warmth.

 

 

OFELIA

Ach. Vater, Vater! ich bin so erschrocken!

Prinz Hamlet, Wams von oben bis unten offen,

Bleich wie sein Hemd und mit den Knien schlotternd,

…, tritt er vor mich.

Er nahm mich an der Hand und hielt mich fest.

Und dann vertieft er sich in mein Gesicht…

Stieß einen Seufzer aus, so tief und schmerzlich,

Als bräch’ dabei sein ganzer Leib zusamm’ und

Mit ihm wars aus. Nun, dann läßt er mich gehn.

 

… Vater, doch wie Ihr befahlt, wies

Ich seine Briefe ab und weigert mich,

Ihn zu empfangen.

 

POLONIUS

Verrückt aus Lieb’ zu Dir?

Das ist die wahre Raserei der Liebe,

 

Das trieb ihn zum Wahnsinn!

 

KÖNIG

… Etwas habt Ihr

Gehört schon von Hamlets - Verwandlung nenn ichs,

Da nicht der äußre noch der innre Mensch

Dem ähnelt, was er war. Was er sonst sein mag

Als seines Vaters Tod, das ihn so sehr

Aus seiner Fassung brachte, kann ich mir

Nicht träumen lassen.

 

KÖNIGIN

Ich glaub, der Grund ist seines Vaters Tod

Und nachher unsre allzu schnelle Heirat.

 

POLONIUS

Herr? denk ich, ich hab nun gefunden

Den wahren Grund von Hamlets wirrem Sinn.

Fass ich mich kurz: Eu’r edler Sohn ist toll.

 

Werte Madam. Geduld. Ich sag’s Euch treulich: (liest) …

> … Oh teure Ofelia! Ich bin schlecht im Zählen der Silben, ich verstehe nicht die Kunst, meine Seufzer zu berechnen: aber, daß ich dich aufs Beste liebe, du Beste du, das glaube mir. Leb wohl! Für immer, meine Teuerste, … Dein Hamlet<

 

Ihr wißt, er geht oft Stunden auf und ab

Hier in der Halle.

Da will ich meine Tochter auf ihn hetzen!

Weg da (ich fleh Euch an! Geht beide weg!

Ich geh sogleich ihn an. Gestattet mir!

 

Wie geht es meinem teuren Prinzen Hamlet?

 

(Spielt immer noch auf meine Tochter an, und dabei hat er mich erst gar nicht erkannt. Er sagte, ich sei ein Fischhändler.)

(Wenn dies auch Tollheit ist, hat’s doch Methode.)

(Wie treffend manchmal seine Antworten sind! Das glückt der Tollheit oft: etwas zu treffen, was Vernunft und gesunder Verstand nicht so trefflich zu sagen vermögen.)

 

HAMLET

Wies in dieser Welt geht, heißt ehrlich sein, ein einziger unter Zehntausenden sein.

 

Denn wenn die Sonne in einem toten Hund Maden ausbrütet, wo doch die Sonne ein Gott ist, der Aas küßt- Habt Ihr eine Tochter?

Laßt sie nicht in die Sonne gehen: Empfänglich sein ist ein Segen, aber da Eure Tochter empfangen könnte,- Freund, seht Euch vor!

Was solls geben? einen Handel? Zwischen wem?

 

ROSENCRANTZ & GUILDENSTERN

Mein sehr verehrter Prinz!, Mein teurer Prinz!

Wir stehen zu Euren Diensten!

Euch zu besuchen Prinz, kein anderer Anlass.

 

Mein Prinz, man hat nach uns geschickt.

Mein Prinz, wenn Euch Männer nicht erfreuen dann werden die Schauspieler bei Euch eine rechte Fastenzeit-Bewirtung haben. Wir überholten sie unterwegs; und sie kommen hierher, Euch ihre Dienste anbieten.

 

HAMLET

Dänemark ist ein Kerker.

Ein stattlicher, in dem viele Zellen sind, Verliese und Löcher…

 

Ich weiß, der gute König und die gute Königin haben nach euch geschickt.

Seid offen und gradheraus zu mir, ob man nach Euch geschickt hat oder nicht!

 

Was für ein Werk ist doch ein Mann! Wie edel an Verstand! Wie unbegrenzt an Fähigkeiten! An Gestalt und Bewegung, wie feingefügt und bewundernswert! An Taten wie gleich einem Engel! An Ahnung wie gleich einem Gott! Das Schönste auf der Welt! Das Vorbild der Geschöpfe! Und doch, für mich: was ist diese Quintessenz des Staubes? Der Mann erfreut mich nicht; nein, auch das Weib nicht, obwohl ihr das mit eurem Lächeln zu sagen scheint.

 

Mein Onkel ist König von Dänemark; und die , die ihm Grimassen schnitten, solang mein Vater lebte, geben jetzt zehn, zwanzig, vierzig, fünfzig, ja hundert Dukaten für sein Portrait in Miniatur

 

F o rt s e t z u n g   f o l g t

 

Hamlet - Shakespeare - 2. Akt / Sz. 1+2 - Ü.: Erich Fried

 

OFELIA

Alas!, my lord, I have been so affrighted.

Lord Hamlet, with his doublet all unbrac’d;

Pale as his shirt; his knees knocking each other;

… he comes before me.

He took me by the wrist and hold me hard,

He falls of such perusal of my face

He rais’d a sigh so piteous and profound

That it did seem to shatter all his bulk

And end his being. That done, he lets me go.

 

… My good lord; but, as you did command,

I did repel his letters and denied

His access to me.

 

POLONIUS

Mad for thy love?

This is the very ecstasy of love,

 

That hath made him mad.

 

KING C.

…  Something have you heard

Of Hamlet’s transformation; so I call it,

Since nor the exterior nor the inward man

Resembles that it was. What it should be

More than his father’s death, that thus hath put him

So much from the understanding of himself,

I cannot dream of.

 

QUEEN G.

I doubt, it is no other but the main;

His father’s death, and our o’erhasty marriage.

 

POLONIUS

My lord, I do think, that I have found

The very cause of Hamlet’s lunacy.

I will be brief. Your noble son is mad.

 

Good Madam stay awhile; I will be faithful: (he reads) …

Oh dear Ophelia! I am ill at these numbers: I have not art to reckon my groans; but that I love thee best, O most best! Believe it. Adieu.

Thine evermore, most dear lady,… Hamlet.

 

You know sometimes he walks for hours together

Here in the lobby.

At such a timeI’ll loose my daughter to him;

Away! I do beseech you, bth away

I’ll board him presently.

How does my good Lord Hamlet?

 

(Still harping on my daughter: yet he knew me not at first; he said I was a fishmonger)

(Though this be madness, yet there is method in ’t)

(How pregnant sometimes his replies are! A happiness that often madness hit’s on, which reason and sanity could not so prosperously be delivered of.)

 

 

HAMLET

Ay, Sir; to be honest, as this world goes, is to be one man picked out of ten thousand.

 

For if the sun breed maggots in a dead dog, being a god kissing carrion.- Have you a daughter?

Let her not walk i’ the sun: conception is a blessing; but not as your daughter may conceive. Friend, look to ’t.

What? A matter? Between who?

 

ROSENCRANTZ & GUILDENSTERN

Mine honour’d lord!

My most dear lord!

We’ll wait upon you.

To visit you, my lord; not other occasion.

 

My lord, we were sent for.

My lord, if you delight not in man, what lenten entertainment the players shall receive from you: we coted them on the way; and hither are they coming, to offer you service.

 

 

HAMLET

Denmark’s a prison…  (The world) a goodly one; in which there are many confines, wards, and dungeons, Denmark being one o’ the worst.

 

I know the good king and queen have sent for you.

Be even and direct with me, whether you were sent for or no!

 

What a piece of work is a man! How noble in reason! how infinite in faculty! in form, in moving, how express and admirable! in action how like an angel! In apprehension how like a god!  the beauty of the world! the paragon of animals! And yet, to me, what is the quintessence of dust? man not delights to me: no, nor woman neither, …

 

My uncle is King of Denmark, and those that would make mows at him while my father lived, give twenty, forty, fifty, a hundred ducats a-piece for his picture in little.

 

 

 

To be continued   

 

Hamlet - Shakespeare Act 2 / Scene I + II

 

May 20th 2021

POLONIUS

Die Schauspieler sind hergekommen, mein Herr!

 

ROSENCRANTZ & GUILDENSTERN

In ihren Leistungen haben sie Schritt gehalten; aber da hat sich, Herr, eine ganze Nestbrut von Kindern eingefunden, kleine gelbschnäbelige Schreihälse, die die höchsten Töne anstimmen und dafür ganz furchtbar beklatscht werden. Die sind jetzt die Mode und verschreien die gemeinen Bühnen (so nennen sie sie) dermaßen, daß manche, die Degen tragen, sich vor Gänsekielen fürchten und kaum wagen, ein ordentliches Theater zu besuchen.

 

HAMLET

Ihr (Schauspieler) seid willkommen, Meister! Willkommen, alle!

Könnt Ihr ‚die Ermordung Gonzagos’ spielen?

Das wolln wir morgen abend. Ihr könntet im Notfall eine Rede von zwölf bis sechzehnZeilen einstudieren, die ich aufschreiben und ins Stück einfügen möchte? Nicht wahr?

 

Ich bin nur toll bei Nordnordwestwind; wenn der Wind südlich ist , kann ich einen Falken von einem Königsgeier unterscheiden.

POLONIUS

The actors are come hither, my lord.

 

ROSENCRANTZ & GUILDENSTERN

Their endeavour keeps in the wonted pace: but there is, sir, an aery of children, little eyases, that cry out on the top of question, and are most tyrannically clapped for’t: these are now the fashion, and so berattle the common stages,-so they call them,- that many wearing raiers are afraid of goose-quills, and dare scarce come thither.

 

 

 

HAMLET

You are welcome, masters; welcome all.

Can you play „the Murder of Gonzago“? We’ll ha’t to-morrow night. You could, for a need, study a speech of some dozen or sixteen lines which I would set down and insert in’t, could you not?

 

I am but mad north-north-west: wenn the wind is southerly I know a hawk from a handsaw.

 

HAMLET 

 

Jetzt bin ich allein.

Oh, welch ein Schuft und Bauernknecht bin ich!

 

Ein mutlos trüber Bube, schleich umher

Als Schlafmütze, nicht voll von meiner Sache,

Und hab kein Wort- nein, keins!- für einen König,

An dessen Hab und mehr als teurem Leben

Höllisch gefrevelt wurde. Bin ich feige?

 

… Es kann wohl

Nicht anders sein, als daß ich Herz und Leber

Von einer Taube hab, und keine Galle,

Die solches Unrecht bitter macht. Sonst hätt ich

Schon längst die Geier rings gemästet mit dem

Aas dieses Knechtes! Schuft voll Blut und Zoten!

Gewissenloser, falscher, geiler Schuft!

O Rache! -

 

Pfui! Pfui! - Ans Werk, mein Hirn! - Ich hab gehört,

Daß Schuldige, wenn sie ein Schauspiel sahen,

Bloß durch die Kunst der Bühne so ins Herz

Getroffen wurden, daß sie auf der Stelle

Offen bekannten ihre Übeltat

Denn Mord, hat er auch keine Zunge, wird doch

Mit wundersamer Stimme sprechen.

 

Hamlet - Shakespeare  2. Akt / Sz. 2 - Ü.: Erich Fried

 

HAMLET 

 

… Now I am alone,

O! what a rogue and peasant slave am I:

 

A dull and muddy-mettled rascal, peak,

Like John-a-dreams, unpregnant of my cause,

And can say nothing; no, not for a king,

Upon whose property and most dear life

A damn’d defeat was made. Am I a coward?

 

…. for it cannot be

But I’m a pigeon-liver’d, and lack gall

To make oppression bitter, or ere this

I should have fatted all the region kites

With this slave’s offal. Bloody, bawdy villain!

Remorseless, treacherous, lecherous, kindless villain!

O! vengeance!

 

 

Fie upon’t! foh! About, my brain! I have heard,

That guilty creatures sitting at a play

Have by the very cunning of the scene

Been struck so to the soul that presently

They have proclaim’d their malefactions;

For murder, though it have no tongue, will speak

With most miraculous organ.

 

Hamlet - Shakespeare - Act 2 / Sc.II

Hamlet.

Ein Krokodil gleitet lautlos durch meinen Kopf. Ich liebe die lautlose Stille. Und die Kreischende. Nein, die liebe ich nicht. Die schreit unermüdlich in meinem Bauch.

Hamlet.

A crocodile glides silently through my head. I love the noiseless silence. And the screeching one. No, I don’t love this one. This one screams tirelessly in my stomach.

 

September 16th 2021

Hamlet.

Und laß die, die eure Narren spielen, nicht mehr sagen, als im Text steht - denn’s gibt von denen welche, die selbst lachen, bloß damit ein Rudel hohlköpfiger Zuschauer auch lacht, obwohl zur gleichen Zeit irgendein stückwichtiger Punkt zu beachten wäre.

Shakespeare 3. Akt - Sz.II - Ü. Frank Günther

 

Hamlet. 

And let those that play your clowns speak no more than is set down for them - for there be of them that will themselves laugh, to set on some quantity of barren spectators to laugh too, though in the meantime some necessary question of the play be then to be considered.

Shakespeare 3. Act - Sc.II

 

Schauspieler Claudius.

Täglich drei unangenehme Dinge ad acta legen. Täglich drei unangenehme Dinge ad acta legen. Täglich drei unangenehme Dinge ad acta legen.

Every day three unpleasant things to put aside. Every day three unpleasant things to put aside. Every day three unpleasant things to put aside.

Schauspielerin Königin G.

Üppig. Strömig. Wirbelig. Tief und schlammig. Üppig. Strömig. Wirbelig. Tief und schlammig. Üppig. Strömig. Wirbelig. Tief und schlammig. Üppig. Strömig. Wirbelig. Tief und schlammig.

Voluptuous. Streamy. Tearing. Swirling. Deep and muddy. Voluptuous. Streamy. Tearing. Swirling. Deep and muddy. Voluptuous. Streamy. Tearing. Swirling. Deep and muddy.

Schauspieler Alter König H.

Ich stehe. Ich ziehe den Bauch ein und warte. Tic tac. Tic tac. Tic tac. Ich sehe die Sonne am Horizont und warte. Vielleicht geht es ja darum. Man muss es intuitiv verstehen. Irgendetwas ist da… ich spüre die Bilder aber wenn ich sie fangen will, flutschen sie weg wie Wörter in einem Traum.

I’m standing. I pull my stomach in and I wait. Tic tac. Tic tac. Tic tac. I see the sun at the horizon and I wait. Maybe that’s the point. You have to understand it intuitively. Something is there… I feel the images but when I try to grasp them, they slip away like the words in a dream.

 

Schauspielerin Königin G.

Die Muskeln haben noch nichts erfahren von dem Befehl des Gehirns. -Sprich du nur, denken sie-. Sie würden gerne folgen, wissen nicht wie oder haben es vergessen. Strecken bis man auseinander fällt. Wie eine Nudel aus Zuckerwatte. Nein, die klebt ja noch bis zum Schluß. Glitzerteig. Ist er gerissen oder schimmert er noch? Zäh. Das Hirn sagt es ist wach, aber das Hirn ist oft ein Lügner; männlich, weiblich, divers?

Mein Gesicht von innen aus sehen. Aus der Schädeldecke- oder Wangenknochen Perspektive. Eine Fratze. Gelblich-grün. Aber nicht wie die eine Wand in meinem Schlafzimmer. Da scheint die Sonne drauf.

The muscles have not yet heard of the brains command. Just speak, they think. They would like to follow, don’t know how or have forgotten. Stretch until you fall apart. Like a noodle made from cotton candy. No, it sticks till to the end. Glitter dough. Is it cracked or does it still shimmer? Tough. The brain says it is awake. But the brain is often a liar; male, female, diverse ?

See my face from the inside. From the top of the skull or cheekbone perspective. A yellowish-green grimace. But not like one of the walls of my bedroom. The sun shines on it.

 

Königin G.- Schauspielerin

Klang läuft durch meinen Körper wie wenn er von oben hinein geschüttet würde. Er fließt über meine Innenwände nach unten. Im Becken bleibt er stecken, fest und kann nicht in die Beine. Er will den Körper auf keinen Fall verlassen. Und in den Füßen ist so wenig Platz.

Ich lausche meinen Worten hinterher. Nicht unangenehm. Den Schirm aufspannen hat mich aus dem Takt gebracht und den Fluss unterbrochen. Soll ich so was melden? Das gibt vielleicht lebenslänglich.

Das Wetter da draussen macht mich total elektrisch Und dazu das nasse Geräusch der Straße. Die Fahrräder hören sich außergewöhnlich schmal an.

Sound runs through my body as if it where poured in from above. It flows down over my inner walls. It gets stuck in the pelvis and cannot move further into the legs. Under no circumstances does it want to leave the body. And there ist so little space in the feet.

I listen to my words. Not uncomfortable. Unfolding the umbrella has thrown me out of step and interrupted the flow. Should I report something like this? That might give a life sentence.

The weather out there makes me totally electric. And on top the wet noise from the street. The bicycles sound remarkably narrow.

König C. - Schauspieler

Über die Ohren zum Wesentlichen gelangen.

Reduzieren auf ein Minimum… bleibt immer das Lästigste, Gröbste, Ärgerlichste, Unerfreulichste, Mühevollste übrig.

Warum ging es mir besser als ich heute noch nicht ausgeschlafen war? Die Träume kurz vor dem Aufwachen sind die Schlimmsten. Im Schnelldurchlauf treten die Monster an zum Appell.

Die ewigen Fragen löschen. Passt doch in das Regenwetter.

Trough your ears get to/reach the essential

Reduce to a minimum…the worst, most annoying, most unpleasant, hardest is always left over.

Why did I feel better when I haven’t had enough sleep today? The dreams just before waking up are the worst. The monsters appear in fast forward roll call.

Erase the eternal questions. It fits with the rainy weather.

 

October 10th 2021

HAMLET: Wo bin ich? Was fließt durch meinen Kopf außer Blut? Bis wo genau reichen denn die Nervenbahnen? Und was genau verursacht diesen spitzkalten Schmerz?

 

 

HAMLET: Where am I? What flows through my head but blood? Where do the nerve tracts reach? And what exactly is causing this outrageous sharp-cold pain?

 

 

 

Gehetzt, verfolgt von der eigenen Unzulänglichkeit.

Gebrochener Stolz, ausgebrochener, erbrochener.

 

 

 

Hounded, tracked by your own inadequacy.

Broken pride, bursted, barfed.

 

 

König C.  Ofelia   Polonius   Rosenkranz   Güldenstern

…warum er die Verwirrung zeigt

Er gibt es zu, er

die seiner Tage Ruh so wild zerreißt

Hielt sich vielmehr mit

Ob es Liebeskummer ist oder nicht

schlauem Wahnsinn fern, wenn

was so ihn quält.

Allein wodurch, will

Obwohl ein wenig wüst,

will er nun gar nicht sagen

doch nicht wie Wahnsinn.

Ein edler Geist

Liebe, nein, das ist …

Die Quelle

Ganz und ganz, hin,

Ihm brennt was auf der Seele,

und Ursache seines

worüber seine Schwermut brütend sitzt.

zerfetzt durch Raserei,

Dies etwas was in seinem Herzen steckt…

Kummers ist

misstönend und schrill

und die Ausgeburt wird, wie ich sorge,

unerhörte Liebe

Ich sah was ich sah,

gefährlich sein.

und seh was ich seh

Wahnsinn bei Großen darf nicht ohne Wache gehn.

 

 

King C.  Ofelia   Polonius   Rosenkranz   Güldenstern

… why he puts on this confusion

He does confess he

grating so harshly all his days of quiet

but with a crafty madness

If’t be th’ affliction of his love or no

keeps aloof

That thus he suffers for

But from what cause a

Though it lack’d form a little

Will by no means speak

was not like madness

O, what a noble mind

Love? His affections do not that way tend

The origin

Is here o’erthrown!

There is something in his soul

And commencement of his

O’er which his melancholy sits on brood

Blasted with ecstasy

Shall expel this something settled matter in his heart

grief sprung from

Like sweet bells jangled out of tune and harsh

And I doubt the hatch and the disclose

neglected love.

Have seen what I have seen

Will be some danger

See what I see

Madness in great ones must not unwatch’d go

 

 

HAMLET:

Ja, nun sehn Sie nur, was für ein nichtswürdiges Ding ihr aus mir machen wollt. Ihr wollt auf mir spielen, ihr wollt so tun, als wüsstet ihr mich zu greifen, Ihr wollt meinem Geheimnis das Herz herausfingern.

HAMLET

Why, look you now, how unworthy a thing you make of me. You would play upon me, you would seem to know my stops, you would pluck out the heart of my mystery.

 

 

 

 

 

König C.: Ich mag ihn nicht; auch steht es um uns nicht sicher

Polonius: Ich will mich hinter den Teppich stellen,

wenn frei sein Wahnsinn schwärmt.

den Hergang anzuhören.

Gefahr so nah, als in seinem Kopf

Ein anderer Zeuge als eine Mutter,

sie stündlich uns erwächst.

die natürlich parteiisch ist.

 

King C.: I like him not, nor stand it safe with us

Polonius:  Behind the arras I’ll convey myself

To let his madness range.

To hear the process.

Hazard so near us

‚Tis meet that some more audience than a mother,

as doth hourly grow out of his brows

Since a nature makes them partial, should o’erhear.

 

H A M L E T:

Nun ist die wahre Spukzeit dieser Nacht, / Wo Grüfte gähnen und die Hölle selbst / Haucht Pest in die Welt. /

Heißes Blut könnt ich / Nun trinken, und so bittre Dinge tun, / Dass der wache Tag zittern würd, säh er sie.

‘This now the very witching time of night, /When churchyards yawn and hell itself breathes out / Contagion to this world. /

Now could I drink hot blood, / And do such bitter business as the day / Would quake to look on.

 

 

 

Shakespeare - Hamlet 3. AKT - Szenen 1-2-3 - Ü.: Fried - Schlägel/Krätzer - Günther 

 

H a m l e t

Hey Du! Ja, Du bist gemeint, der da hinter der Tür kauert und lauert. Was hast Du vor? Wer bist Du? Schatten? Gewissen? Luftzug? Was willst Du von mir?

Wenn Du der Tod bist, sage ich Dir gleich, ich will jetzt noch nicht. An anderen Tagen, vielleicht. Aber heute nicht. Heute bin ich nicht bereit. Auch nicht später . Erst viel später. Ich habe noch einiges zu erledigen. Man kann nicht gehen ohne aufgeräumt zu haben., verstehst Du das? Nein, verstehst Du nicht. Oder doch aber es ist Dir egal.

H a m l e t

Hey you! Yes, you are meant, who crouches behind the door and lurks. What you up to? Who are you? Shadow? Conscience? Draft? What do you want from me?

If you are death, I’ll tell you right away, I don’t want to yet. Not today. Other days, maybe. But I’m not ready today. Not later either. Not until much later. I still have a lot to complete. You can’t leave before you’ve cleaned up. Do you understand that? No, you don’t. Or maybe you do but you don’t care.

 

 

 

 

K ö n i g i n  G.

Was habe ich getan, daß Du es wagst, So gegen mich zu sprechen?

H a m l e t

Eine Tat ——————. des Gelübdes Herz—————-. Voll Trauer————. Seht her———-. Der war Euch Gatte—————. Der ist Euch Gatte————. Habt Ihr Augen?——— . Nicht Liebe —————-. Eurem Alter verebbt————-. Bluts Tumult gefügig zahm————-. Lähmte den Sinn—————-. Wahnsinn könnt nicht irren————-. Ein Teufel ——-. Blinde-Kuh-Spiel—————. Sehn ohne Fühlen. Fühlen ohne Sehn. Ohr ohne Hand und Aug. Geruch ohn alles.——- ——————-. Könnt nicht dumm genug sein!——————. Hölle ——-. Matrone Gliedern Aufruhr ——-. Eigene Feuer ——-. Schande ——-. Heiße Blut schäumt———-. Geiler Schweiß—————. Glitschiges Bett————-.  Fäulnis durchtränkt————————-. Ekliger Stall ——————. Schuft und Mörder—————-. Lotterbub von König—————. Taschendieb des Reiches und der Macht—————. Krone stahl und sie sich einsteckte!

Q u e e n  G.

What have I done that thou dar’st wag thy tongue in noise so rude against me?

H a m l e t

Such an act ———contractions plucks ——— tristful visage ————— look here ————— this was your husband ————— here is your husband ————— have you eyes ————— cannot call it love ————— your age ————— blood is tame ————— that sense ————— madness would not err ————— hoodman blind ————— eyes without feeling, feeling without sight, ears without hands or eyes, smelling sans all. ————— sickly part —————-could not so mope ————— hell ————— matron’s bones —————— own fire ————— compulsive ardour ————— rank sweat ————— enseamed bed ————— stew’d in corruption ————— nasty sty ————— murderer and villain ————— vice of kings ————— cut-purse of the empire ————— precious diadem stole and put it in his pocket.

HAMLET - Shakespeare - 3.act/IV

K ö n i g i n  G (denkt, während H. spricht)

Ich kann mich schwer entspannen, wenn ich den halben Monat an …. denken muss. Keine Ahnung an was das liegt. Nicht unbedingt verstehen wollen. Es wird sich schon auftun was ich verstehen will… Dieser Junge geht mir auf die Nerven obwohl nichts an ihm auszusetzen wäre. Seine schönen Locken, die langen Haare, sauber aber überall liegen sie rum. Seine Worte summen wie vuvuzelas in Süd-Afrika. Hier klingen sie wie Bienen. Sehr fleißige Bienen. nervös, hibbelig, unheimlich beschäftigt und unter sich im clinch. Manchmal geht gar nichts und dann wieder los wie eine Feuerwerksrakete Jim… Der Sommer kommt und geht. Dazwischen ist immer ein Stückchen Zeit für Sandalen mit Söckchen. Sieht das noch gut aus in meinem Alter?…  Es wird doch so sein können, dass auch ich das Ganze verstehe. Jetzt schnell noch ein paar Sätze zaubern und ich kann mit einem unbefleckten Gewissen duschen gehen; rein von innen und außen.

Was soll ich eigentlich wo? ... Das ist die Frage.

Das wäre die beste Antwort des Tages.

Q u e e n  G.  (thinks while H. speaks)

I find it hard to relax when I have to think about… for half a month. I have no idea what that is. Not necessarily wanting to understand. It will open up what I want to understand. This boy gets on my nerves, although there would be nothing wrong with him. His beautiful curls, his long hair, clean but lying around everywhere. His words hum like vuvuzelas in South Africa. Here they sound like bees. Very diligent bees, nervous, jittery, incredibly busy and in a clinch among themselves. Sometimes nothing goes and then it goes off again like a firework rocket. The summer comes and goes. In between there is always a bit of time for sandals with socks.Does it still look good at my age?

It could be so that I too understand the whole thing. Quickly conjure up a few more sentences and I can go take a shower with an immaculate conscience; purely inside and out. What I’m supposed to do where? That is the question. That would be the best answer of the day.

 

 

 

H a m l e t

Salbt Eure Seele nicht mit Schmeichelbalsam,

Daß nur mein Wahnsinn spricht, nicht Eure Schuld!

Bereut, was war; vermeidet, was nun kommt.

H a m l e t

Lay not that flattering unction to your soul

That not your trespass but my madness speaks

Repent what’s past; avoid what ist to come.

HAMLET  - Shakespeare - 3.act/IV

31.12.2021

Hamlet

Mein Brustkorb fühlt sich an wie ein Eisen-Korsett das Fleischpuppe werden wollte und jetzt mit den Konsequenzen tanzt. Atmen fällt schwer. Meine Augenlider sind fest und stechen in die Augenhöhlen, feucht und warm glühend. Das Fussballfeld in meinem Schädel ist wüst verlassen worden. Dürre Grasbüschel verteilen sich hier und dort und geben keine Früchte her. Nur ein Paar Kerne liegen rum,  zusammengetrampelt. Der Druck in der Stirn schiebt sich nach vorne auf der Suche nach Nahrung.

Bin ich prähistorisch? ... Die Frage muss ich Ihnen stellen Madame.

 

Hamlet

Meine Brust fühlt sich an wie ein eisernes Korsett, das eine Fleischpuppe sein wollte und nun mit den Konsequenzen tanzt. Das Atmen fällt schwer. Meine Augenlider sind schwer und stechen in meine Augenhöhlen, glühen feucht und warm. Das Fußballfeld in meinem Schädel ist wild verlassen. Trockene Grasbüschel breiten sich hier und da aus und tragen keine Früchte. Nur ein paar Kerne liegen herum, zertrampelt. Der Druck in meiner Stirn bewegt sich vorwärts auf der Suche nach Nahrung.

Bin ich prähistorisch? ... Das muss ich Sie fragen, Madam.

 

 

 

Müdigkeit im Hellwachen. Mich friert es.

In der Küche ist es auch hellwach. Und glänzend. Draußen scheint die Sonne zwischen dem Baum der mich von den Häusern gegenüber trennt. Einzelne Blätter rauschen vor dem Fenster.

Auch morgens ist die Sonne auf deren und dessen Seite.

Stille…

Könnte schlafen jetzt. Kurz. Mich treiben lassen. Der Teil der Straße da unten gefällt mir… Blumen im Sand, Hunde mit Halstüchern. Diese gemütlich-locker-herzlich getarnte Atmosphäre.

 

 

Tiredness in the wide awake. I’m freezing.

It’s wide awake in the kitchen too. And glossy. Outside the sun its shining between the tree that separates me from the houses across the street. Some leaves rustle in front of the window.

Even in the morning the sun is on whose side.

Silence.

Might sleep now. For a minute. Let me drift. That part of the street down there, I like it… flowers in the sand, dogs with scarves. This cosy-relaxed-warmly camouflaged atmosphere.

 

 

LAERTES. Fürcht es, Ophelia! Fü… .iebe Schwester, U.. halte Dich zurück mit d…. Neigung, Fern vom G… und Feuer d.. Begier. Hüt di..! - Angst i.. .er .este …utz .der Tug…

O p h e l i a  singt …

POLONIUS. Und dies zur Warnung-, … muß ich… .agen…Wie’s meiner Tochter ziemt … O p h e l i a  singt…Ich lehr’s Euch! Denkt, …

O p h e l i a  singt …

POLONIUS. Er ist ein Prinz, zu hoch f.. Deinen S…, … darf nicht sein …

O p h e l i a  singt …

KÖNIGIN. Und Euch Ophelia, wünsch … ich, Daß Eure Schönheit … erfreuliche Gr… sei … H…… Wildheit. Denn dann hoff ich, Eure .ugend br….. sein.. Weg, … O p h e l i a  singt … POLONIUS. Da will ich meine Tochter auf Ihn hetzen. Ophelia Du geh h..r! Lies i. d….. B…., .aß Du beschäftigt zeigst, …Dein Alleinsein gl………. mach…

O p h e l i a  singt …

HAMLET. Ich hab Euch nicht geliebt! Pack Dich in e.. Klo….! Z. d.. .uten …gfern. Wenn D. ….heiratest, will ich Dir zur. .ussteuer di…. Fluch m..geben:… ..  …. …… … ……,, du sollst……

O p h e l i a  singt

Shakespeare - I/3+4 - II/2 - III/1 - Ü.: E.Fried

 

 

LAERTES. Fear it Ophelia, fear .. .y .ear sister; A.. keep you in the rear of y… affection, Out of the sh.. and danger .. desire. Be wary ….; .est safe.. …. .. fear

Ophelia sings

POLONIUS. And that in way of caution, - I must .ell y.. .s it behoves .y daughter. Marry I’ll teach you, think! … Ophelia sings ….

Lord Ham. is . prince, out .f thy sta.; T… must .ot be… 

Ophelia sings …

QUEEN G. And for your part Ophelia, I do wish that you. …. beauties .e … hap.. .ause of H…… wildness; .o shall I .ope you. virtu.. .ill bring .im to his ……. way ag…. Ophelia sings …

POLONIUS. At such a time I’ll loose my daughter to him. Ophelia, walk y.. here. Read .. th.. book; Th.. show of such a. exe….may col… you. .oneliness… 

Ophelia sings …

HAMLET. I loved you not! Go your … to . nun.ery! If thou dos. .arry, I’ll give the. th..plag.e for t.. dowry……………………

Ophelia sings.

Shakespeare - I/3+4 - II/2 - III/1

Steif sein… weich werden wollen… aber ganz alleine geht nicht… da brauche ich schon Hilfe von draußen….

Im Gesicht die Augen geschlossen. Ich war kurz angeblendet, bläulich… eine Sirene auf einem Krankenwagen.

Stille.

Ofelia sing…

 

Stiff… want to be soft… but it doesn’t work all alone… for that I need help from outside…

Eyes closed in the face. I was briefly faded in, bluish… a siren on an ambulance.

Silence.

Ofelia sing…

CLAUDIUS: 

England nach. Hier von wegschicken. Eile brennender mit. Tat die hast getan du, um trauern tief wir. Liegt sehr so uns, an Sicherheit eigenen deiner, Hamlet

(Fast) Shakespeare - IV/3- Übersetzung: E.Fried

CLAUDIUS

England for. Thyself prepare therefore, quickness fiery with. 

Hence this send must, done hast thou, which what for grieve dearly we. Tender do we safety special thine for, deed this, Hamlet.

(almost) Shakespeare Act IV/3

 

Claudius.

Die Sprache ist so herrlich zum spielen. Die Möglichkeiten sind unendlich.

Mein Körper wie er so dasitzt und sich von Worten speist und leert. Versucht eine papierene Hülle zu werden… stabil und robust und flexibel mit viel Innenraum zum wieder ausfüllen.

Mein Zahn schmerzt. Nicht wirklich; so wie wenn ich auf ihm rum gebissen hätte, lange wache Stunden. Sie macht so einen unfertigen Eindruck die letzte Nacht.

 

Claudius.

The language is so wonderful to play with. The possibilities are endless. My body as it sits there, draining and feeding on words. Tries to become a paper shell… stable and robust and flexibel with a lot of interior space to fill up again.

My tooth hurts. Not really; like if I had bitten on it long waking hours. It makes such an unfinished impression the last night.

 

 

H a m l e t. 

Luft in der Speiseröhre. Es perlt hinauf, sehr geschliffen und will als rasende Hure aus dem Mund. Die Eingeweide haben Platz sich zu rekeln. Tun sie aber nicht. Sie sind still und unbeweglich. Sie halten den Platz frei für das was kommen wird. Oder muss. 

Die Lunge kocht über. Läuft über den Kopf, fühlt sich in der Leere schwer an… und in der Schwere, leer. Gedanken. Gedanken können ja nicht davonlaufen. Höchstens davon schlurfen. Oder schreiten, sollten sie elegant sein.

 

 

H a m l e t.

Air in the esophagus. It pearls up, very polish and want’s to get out of the mouth as a raging whore. The bowels have space to loll around. But they don’t. They are still and motionless. They keep the space free for what is to come. Or must.

The lung boils over Runs over the head. Feels heavy in the void, and empty in the heaviness. Thoughts. Thoughts can’t run away. At most shuffle away. Or stride, if there are elegant.

 

 

 

CLAUDIUS. 

Mord… Schuld… Sünden… Reue…?

Meine Krone, mein eigener Ehrgeiz, meine Königin.

Shakespeare - III/3- Übersetzung: E. Fried

 

Murder… Guilt… Offences…Repentance…? 

My crown, mine own ambition, and my queen.

Shakespeare - III/3

 

 

 

 

C l a u d i u s.

Mein Kopf ist voll unnützer Gedanken…Die Sonne scheint immer noch kalt dort draußen… Meine Nasenlöcher sind verstopft seit Dezember 1615…

My head is full of useless thoughts…The sun is still shining cold outside there… My nostrils have been blocked since 1615

 

 

 

 

 

 

H a m l e t.

Ich schleiche um den heißen Brei herum und spüre seine Hitze aber traue mich wohl nicht die Hand rein zu stecken.

Mir Zeit lassen. Wieviel? Bis wann?

I sneak around the bush and feel its heat. But I don’t dare to stick my hand in it.

Give myself time. How much? By when?

 

MARCELLUS.

Doch setzt euch, Freunde; sagt mir wer es weiß,

Warum dies aufmerksame, strenge Wachen

Das den Untertan im Lande nächtlich plagt?

Warum wird täglich Bronze zu Geschütz gegossen

Und im Ausland Kriegsgerät gekauft?

Wozu die Dienstverpflichtung in den Werften,

Dass den Sonntag nichts vom harten Werktag trennt?

Was gibt’s, das solch schweißtreibende Hast

Die Nacht dem Tage zur Gehilfin macht?

Kann’s mir jemand sagen?

Etwas ist faul im Staate …

Shakespeare 1. Akt / I + IV - Ü: Schlegel/Kratzer

MARCELLUS.

Good now, sit down, and tell me, he that knows,

Why this same strict and most observant watch

So nightly toils the subject of the land;

And why such daily cast of brazen cannon,

And foreign mart of implements of war;

Why such impress of shipwrights, whose sore task

Does not divide the Sunday from the week;

What might be toward, that this sweaty haste

Doth make the night joint-laborer with the day:

Who is’t that can inform me?

Something is rotten in the state of …

 

Shakespeare - HAMLET 1.act / I + IV

CLAUDIUS

Ich will die Worte ohne Form lassen um sie nicht heraufzubeschwören. Aber der Knoten wird sich lösen wenn ich mich traue meinen Dämon an den Hörnern zu packen.

CLAUDIUS.

I want to leave the words without form so as not to conjure them up. But the knot will untie if I dare to grab my demon by the horns.

LAERTES.

Und so verlor ich einen edlen Vater,

So wurde mir die Schwester hoffnungslos

Zerstört, die ihresgleichen suchte, wenn man

Rühmenswertes im Vergangnen suchen darf,

Ein Vorbild ihrer Zeit. - Die Rache sei mein!

CLAUDIUS.

Zu Eurem Frieden. Ist Hamlet da

… so verführe ich ihn

Zu etwas, das, so reifte der Gedanke mir,

Zu Fall ihn mit Gewissheit bringt, dergestalt,

Dass nicht ein Hauch von Vorwurf um seinen Tod

Soll wehn, selbst seine Mutter wird nicht merken,

Und es einen Unfall nennen.

Lasse ich es zu? Das darf niemand wissen. Ich habe Angst es zu denken, denn ich habe Angst zu erkennen was für ein mieses Schwein ich bin. Ich will es nicht. Mein Leben sollte doch groß und schillernd werden. Ich habe gelacht damals und mich stark gefühlt. Aber es ist noch nicht vorbei. Früher habe ich doch daran geglaubt und jetzt… Was ist aus meiner Kraft geworden?

 

LAERTES.

Ich folg’ Euch, Herr,

Und lieber noch, wenn’s Euch gelänge,

Mich als Werkzeug zu gebrauchen.

Da draußen in der Galerie scheint die Sonne so unverschämt glücklich. Ich suche … und eine Schweinsnase taucht auf. Schleicht sich in mein Hirn und schweigt. Was soll ich mit dir, frage ich. Oder fragt sie? Statt einer Antwort läuft sie weg. Gut…aber das kann jeder.

 

Shakespeare 4.Akt/VII Sz - Ü.Schlegel/Krätzer 

LAERTES

And so have I a noble father lost;

A sister driven into desperate terms

Whose worth, if praises may go back again,

Stood challenger on mount of all the age

For her perfection. but my revenge will come!

CLAUDIUS

To thine own peace. If he be now return’d

… I will work him
To an exploit, now ripe in my device,

Under the which he shall not choose but fall;

And for his death no wind of blame shall breathe,

But even his mother shall uncharge the practice

And call it accident.

Do I allow it? Nobody is permitted to know. I’m scared to think it because I’m scared to recognize what a lousy pig I am. I don’t want it. My life was supposed to be great and dazzling. I laughed then, felt strong. But it’s not over yet. Earlier I used to believe in it … and now? What has become of my strength? 

LAERTES

My lord, I will be rul’d ;

The rather, if you could devise it so 

That I might be the organ.

 

Out there in the gallery, the sun is shining so outrageous happy. I’m searching… and a pig nose appears, sneaks into my brain… in silence. What am I supposed to do with you, I ask. Or does it ask? Instead of an answer it runs away. Well… but anyone can do that.

 

Shakespeare - 4.act / sc.VII 

KÖNIGIN G.

Die Schläfen mit den Händen zusammenhalten. Dann lässt der Schmerz rechts für ein paar Sekunden nach. Die Sonne hat sich versteckt. Zuerst in der Nähstube, dann … mich treiben lassen. Meinem Weg finden, meinen Weg gehen. Ich habe ihn aus den Augen verloren. Von wo bis wo, von wo wohin. Autos draussen die immer nur vorbeifahren. Stille. Endlich. Diese ewigen Kopfschmerzen. Masken. Gesichter. Flirt lag in der Luft. Mit allen Mitteln. Es kann schnell umschlagen. Die falschen Schuhe. Der falsche Partner. Es wurde immer heftiger. Ein Genuss sich führen zu lassen. Wenn man es nur aushalten könnte. Ich muss mich sehr konzentrieren. August…Oder war es bereits im Juli?  Als Du aus England kamst Hamlet und so gar nicht gut drauf warst…  hätt ich Dich trösten wollen… wusste aber nicht mit was. Die Rohre in der Wand schweigen. Jetzt schon? Nein, sie murmeln kreisförmig vor sich hin. Ich will Urlaub machen wie normale Leute aber ohne die Leute. Gleich.

KÖNIG C.

Es ist bewölkt draussen. Schwül und aufrecht steht das Wetter im Schatten der Bäume auf offener Straße. Die Autos stört das nicht. Sie rauschen vorbei oder mitten durch. Sie haben Klimaanlage.Der lauwarme Brei in meinem Mund schmeckt nach Metall. Mein Bauch hängt locker über dem Rand der Unterhose. Windhose, Apotheose, Metamorphose. Aber es sieht noch ästhetisch aus. Ein Glück. Dänische Wandersmann Lieder wollte ich eigentlich nicht singen aber das Singen jeden Tag war eine schöne Idee und Maßnahme. In den Händen liegen die kalten Ohren. Immer noch. Keine Lust mehr aber eiserne Disziplin. So oft. So tief. Es gibt nie eine Ziellinie die überschritten werden kann weil man schon die nächste im Auge hat. Durch die Schlitze ins Licht schlüpfen. Sich retten. Flüchten… aber wohin?

LAERTES.

ch stocke mit dem Kopf im Schlamm. Er schmeckt nach Schokolade. Da will ich bleiben bis mir schlecht wird. Die Füsse strampeln im Himmel. Es ist dunkel, feucht, cremig. Die Augen verklebt. Müdigkeit. Heute werde ich dauernd Hunger haben. Ich stopfe mich von innen aus um die Müdigkeit auszufüllen. Haben Innenräume ein anderes Zeitgefühl? Ein Dieselmotor rast vorbei draußen vor der Tür. Die Töne durchdringen mein Gewebe. Eine lebende Trägheit erfüllt mich.Mir brennen die Arme. Diese subkutane Hitze ist unangenehm. Meine Hände sind leicht angeschwollen, gläsern und schlafen langsam ein. Mein Körper mit Tonnen Erde gefüllt. Vielleicht ist eine Menge Gold dazwischen. Nochmal auf die Pauke hauen. Lang, laut und mit ganzer Wucht. 

HAMLET.Eine gewisse altbekannte Schwere lastet auf meinem Entscheidungszentrum. Nichts außer Leere und wieder die zornige Hitze. Sie kriecht nicht hoch, sie kriecht sternförmig aus der Mitte des Vakuums durch meinen Körper und brennt an der Haut, auf der Innenseite. Kurz und heftig und schon beginnt das Abklingen. Heißer Schweiß prickelnd wie Coca-Cola nur nicht so klebrig. Aber genauso unangenehm. Störend klebrig im Gedanke weil ich ihn nicht los werde. Irgendwie will ich weg von hier.. Von meinem inneren Standpunkt. Weg in eine Parallelwelt die ich nicht kenne. Die ich entdecken will und mich so über das Leben hinwegtäuschen kann. Mich betäuben. Bis zum nächsten Mal. Ich bin noch nicht wirklich auf der anderen Seite. Auf der Seite wo alles fließt und geschieht. Oder geschehen kann. Einfach. Mühelos. Schwerelos. Ungewollt gewollt. Ins Minimum abgleiten wie unter Wasser in der Badewanne. Vielleicht heute, jetzt gleich. Oder nie. Mich treiben lassen. Stille. Ruhelosigkeit. Keine Starre aber äußere Bewegungslosigkeit. Stehenbleiben im nach vorne gehen. Sehen, hören, riechen, nichts. Ist es meine Nase oder wird die Welt geruchlos? 

 

HAMLET - 5. AKT - Texte Cristina Czetto.

 

QUEEN G.

The temples hold together with the hands. Then the pain on the right side eases up for a few seconds.  The sun has hidden. First in the sewing room, then… letting me drift. Find my way, go my way. I lost sight of it. From where to whither. Cars outside that always only drive by. Silence. Finally. These constant headaches. Masks. Faces. Flirt was in the air. By any means. It can turn quickly. The wrong shoes. The wrong partner. It got more and more intense. A pleasure to be guided. If only you could stand it. I have to concentrate a lot. August… Or was it already July? When you came back from England Hamlet and you weren’t in a good mood at all I would have wanted to comfort you but I didn’t know with what. The pipes in the wall are silent. Already? No, they mumble in circles. I want to go on vacation like normal people but without the people. Now.

KING C.

It’s cloudy outside. The weather stands upright and sultry in the shade of the trees on the open road. The cars don’t mind. They rush by or right through. They have air conditioning. The lukewarm pap in my mouth tastes like metal. My stomach hangs loosely over the edge of my underpants. But it still looks aesthetic. Luckily. I didn’t actually want to sing danish wanderer songs but singing every day was a nice idea and measure. The cold ears are still lying in my hands. No more desire but iron discipline. So often so deep. There is never a finish line that can be crossed because you already have your eye on the next one. Slip into the light through the slits. Save oneself. But where to flee?

LAERTES.

I stuck with my head in the mud. It tastes like chocolate. I want to stay there until I get sick. The feet kick in the sky. It is dark, moist, creamy. The eyes glued together. Tiredness. I’ll be hungry all the time today. I stuff myself from the inside to fill out the tiredness. Do interior rooms have a different sense of time? A diesel engine speeds by outside the door. The sound penetrate my tissue. A living inertia fills me. My arms are burning. This subcutaneous heat is uncomfortable. My hands are slightly swollen, glassy and slowly falling asleep. My body filled with tons of earth. Maybe there is a lot of gold in between. One more time properly paint the town red. Long, loud, and with rage and power.

HAMLET.

A certain well known heaviness weighs on my center of decision-making. Nothing but emptiness and again the angry heat. It doesn’t crawl up, it crawls star-shaped from the center of the vacuum through my body and burns on the skin, on the inside. Short and violent and already the fading begins. Hot sweat, tingly like Coca-Cola but not so sticky. But just as uncomfortable. Annoyingly in thought because I can’t get rid of it. Somehow I want to get away from here. From my inner viewpoint. Away into a parallel world that I don’t know. That I want to discover and so fool myself about life. Numb myself. Until next time.

I’m not really on the other side yet. On the side where everything flows and happens. Or can happen. Simply. Easy. Weightless. Unintentionally wanted. Slide down to the minimum like under water in the bathtub.Maybe today, right now. Or never. Letting me drift. Silence. Restlessness. No rigidity but external immobility. Standing still in going forward. See, hear, smell, nothing. Is it my nose or is the world going scentless?

 

HAMLET - 5. act  - Text Cristina Czetto

Der Rest ist Schweigen.

The rest is silence.

 

 

HAMLET - Shakespeare 5. act